Anschluss Wankdorf

Anschluss Wankdorf

Der Anschluss Wankdorf heute, Blick nach Südost: Viel Beton, wenig Autos, rundherum durch den Strassenbau fragmentierte Waldstücke.

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Beschreibung

Für mehr als eine Viertelmilliarde Franken soll der Autobahn-Anschluss Wankdorf ausgebaut werden. Mit einer massiven Erweiterung der Strassenfläche soll «Stauraum» für die von der Autobahn abfahrenden Autos geschaffen werden. Diese will man dann mittels eines «Dosierungssystems» davon abhalten, ungehindert in die Stadt weiterzufahren. 

Geplant ist zudem eine «Eventstrasse», die es den Besucherinnen und Besuchern von Events auf dem BEA-Gelände erleichtern soll, mit dem Auto anzureisen und direkt von der Autobahn aufs Gelände zu fahren. Wegen dieser neuen Strasse entlang der grossen Allmend muss das Wäldchen auf dem Hügel zwischen Autobahn und Allmend fast vollständig gerodet werden.

Um die heute schlechten Verbindungen für den Langsamverkehr durch das Gebiet des Autobahnanschlusses zu verbessern, wird eine Designerbrücke in luftiger Höhe vorgeschlagen. Die Wege für die querenden Velofahrenden werden damit zu verlängerten Umwegen mit massiv grösseren Steigungen als heute. 

Das Ziel des Bundesamts ist es, den Verkehrsfluss auf der Autobahn sicherzustellen und die Anzahl Auto-Unfälle zu reduzieren. Damit folgt das Projekt der veralteten Ausbau-Logik, dass mehr Strassenfläche den «Fluss» des Autoverkehrs verbessere. 

Kosten

Angabe ASTRA: 250 Mio. CHF (wird wahrscheinlich nicht reichen)

Zeitplan:

2020: Genehmigung des generellen Projekts im Bundesrat

2021: Auflage des Ausführungsprojekts

2024: Baustart

Bauvorhaben visualisiert. Blick Richtung Süden (Allmend und BEA-Gelände). Quelle: ASTRA

Kritik Verein Spurwechsel: 

Auftakt für weitere Ausbauprojekte

Der Ausbau des Anschlusses Wankdorf gilt als Voraussetzung für die weiteren Ausbauprojekte rund um Bern. In der Argumentation der Strassenbauer braucht es diese «Engpassbeseitigung», damit z. B. der 2×4-Spur-Ausbau zwischen Wankdorf und Schönbühl (Grauholz) Sinn macht, der mehr Verkehr auf den Anschluss führen wird. Der Anschluss Wankdorf wird damit zum zentralen Element der gesamten Autobahn-Ausbau-Logik. Wir positionieren uns gegen diese einseitige, auf Erweiterung der Kapazität für die Autos ausgerichtete Verkehrspolitik und wehren uns deshalb prioritär gegen das Ausbauprojekt beim Anschluss Wankdorf.

Der “Flaschenhals” wird nur verlagert

Mit einem Ausbau eines Autobahn-Teilabschnitts werden vielbeklagte Staus zu Spitzenzeiten nicht beseitigt, sondern bloss an andere Orte verlagert. Wenn der ausgebaute Anschluss Wankdorf dereinst weniger Stau aufweisen sollte, wird sich der Verkehr auf angrenzenden Autobahnabschnitten oder Zufahrtsstrassen stauen – deshalb sind ja auch dort schon weitere Ausbauten geplant.

Schlechte Lösung für Fuss- und Veloverkehr

Mit einer geschwungenen Brücke über drei Strassenebenen hinweg sollen für den Fuss- und Veloverkehr bessere Verbindungen geschaffen werden. Eine Analyse zeigt, dass die Höhenunterschiede viel zu gross sind, dass der Umweg über die Brücke als Alternative erscheinen würde. Offenbar ist neu auch eine durchgehende Veloverbindung mit grüner Welle vorgesehen (entlang des Schermenwegs, unter der Autobahn hindurch). Was mit dieser grünen Welle passieren würde, wenn im Feierabendverkehr die Autos sich auf die Autobahn rückstauen, ist klar: Die Autos müssten Vorrang erhalten. Gerade für die ungeübten Fahrrad-Fahrenden (die im Zentrum der dringenden Förderung des Langsamverkehrs stehen) wäre der Umweg über die Brücke eine Zumutung. 

Dieses Projekt zeigt, wie verkehrt diese Form der Verkehrsplanung läuft: Zuerst werden für den Autoverkehr Verbesserungen geplant und am Schluss kommt als Feigenblatt über alles drüber eine schöne geschwungene Brücke. Dabei entstehen die Probleme für den Langsamverkehr erst wegen der Autobahn. Diese Brücke steht auch im Zentrum aller Visualisierungen des Projekts. Der Ausbau für den Autoverkehr, um den es eigentlich geht, rückt damit visuell in den Hintergrund. 

Bildlegende: Visualisierung des gesamten Projekts ohne Autos und vollständig nachgewachsenen Bäumen (Quelle: ASTRA)

Wald auf der grossen Allmend und Bolligen-Allee würden gerodet

Um Platz für die zusätzlichen Autobahnspuren, Rampenbrücken und Zufahrten rund um den Anschluss Wankdorf zu schaffen, sollen auf der grossen und der kleinen Allmend weitere Naturflächen zugepflastert werden. Die Bolligen-Allee, die im Inventar geschützter historischer Verkehrswege eingetragen ist, soll autobahnseitig auf 800m Länge abgeholzt werden. Dabei verlangt das Stadtentwicklungskonzept von 2016 den Schutz und die Weiterentwicklung von historischen Alleen.

Eine sogenannte “Eventstrasse” am Hügel der grossen Allmend soll mehr Autos direkt auf das Ausstellungsgelände führen. Der heutige Wald auf dem Aushub-Hügel der bereits bestehenden Autobahn müsste zu einem erheblichen Teil gerodet werden. Das stark genutzte Naherholungsgebiet und einzigartige Landschaftsschutzareal würde damit noch weiter verkleinert, mit zusätzlichen Lärmemissionen belastet – und die Narbe zwischen beiden Allmenden würde durch die Ausdehnung der Strassenfläche weiter vergrössert statt geheilt.

Nachteilig für die Verkehrsbelastung in den Quartieren

Gemäss der Argumentation des Bundesamtes soll der Wankdorf-Ausbau auch im Interesse der Stadt Bern liegen, da 81% des Verkehrs dort entweder aus der Stadt kommt oder in die Stadt fliesst. Stau auf der Autobahn habe Ausweichverkehr auf dem städtischen Netz zur Folge. Die Entwicklung der vergangenen Jahre widerlegt dies: Wenn sich der Verkehr auf der Autobahn staut, ist das für die Lebensqualität besser als Stau in der Stadt in den Wohnquartieren. Und auf dem städtischen Netz nimmt der Verkehr seit Jahren tendenziell ab.

Eine «Dosierung» des Verkehrs in die Stadt mittels Ampeln, wie sie das Projekt verspricht, wird genau so lange funktionieren, wie sich die Autos nicht zurück auf die Autobahn stauen. Spätestens dann (also in den Hauptverkehrszeiten), wird die Dosierung auf «mehr Abfluss» gestellt werden müssen.

Nicht im Interesse der Stadt Bern!

Mit 43 gegen 18 Stimmen hat das Berner Stadtparlament am 22. März 2018 einen Vorstoss gutgeheissen und damit NEIN gesagt “zum massiven Kapazitätsausbau des Autobahnanschlusses Wankdorf und zu neuen Strassenflächen auf der Allmend”. Die Kapazitätserhöhung des Anschlusses Wankdorf und später auch der Autobahnen A1 und A6 habe – so die Begründung – “unweigerlich zur Folge, dass mehr Verkehr auf das städtische Strassennetz abfliessen würde. Dies widerspricht klar den verkehrspolitischen Grundsätzen der Stadt Bern und dem neuen Stadtentwicklungskonzept STEK 16, das eine weitere Reduktion des motorisierten Verkehrs auf dem städtischen Strassennetz zum Ziel hat”. Die Stadtregierung hat angekündigt, dass auch sie im Auflageverfahren vorsorglich Einsprache gegen das Projekt erheben wird – zum Schutz der Interessen der Stadt Bern.

Link auf die Seite vom ASTRA:  http://www.anschluss-wankdorf.ch/