Am 28. Januar 2026 hat der Bundesrat die Eckwerte der nächsten Autobahn-Ausbauschritte vorgestellt. Das Fazit zur Region Bern: Alle bisherigen Planungen sind obsolet. Aus diesem Scherbenhaufen müssen nun die Konsequenzen gezogen werden. Endlich öffentlich werden die Pläne zur geplanten Pannenstreifenumnutzung auf dem Abschnitt Schönbühl-Kirchberg.
In einer Medienkonferenz hat Bundesrat Rösti am Mittwoch die Eckwerte zu der vom Bundesrat vorgesehenen Weiterentwicklung des Verkehrsnetzes in den nächsten Jahrzehnten vorgestellt. In Bezug auf die Autobahnen in der Region Bern lesen sich die Verlautbarungen in weiten Teilen wie ein Eingeständnis: Der Bundesrat scheint erkannt zu haben, dass ein Autobahnausbau hier bis auf Weiteres nicht mehrheitsfähig ist. So sollen mit Ausnahme des Abschnitts Schönbühl-Kirchberg (siehe unten) bis 2045 keine Autobahnabschnitte mehr ausgebaut werden. Der Bundesrat will sich zwar ein Hintertürchen offenlassen und sieht den Ausbau der A1 zwischen Weyermannshaus und Schönbühl (inklusive acht Spuren im Grauholz) für die Zeit nach 2045 vor – ein Planspiel, über das die nächste Generation befinden wird. Unter dem Strich begrüsst der Verein Spurwechsel das Einsehen des Bundesrates. Wir führen dies nicht zuletzt auf unser jahrelanges Engagement in Zusammenarbeit mit unseren Partnern zurück.
Ambivalent beurteilen wir den absehbaren Abbruch des Projektes “Bypass Bern Ost”. Dieses hätte im Osten Berns die Chance auf eine Stadtreparatur und die Entlastung vor den Emissionen der A6 eröffnet. Allerdings wäre auch dieses Projekt eine Kapazitätserweiterung gewesen, das massive Emissionen verursacht hätte.
Nun gilt es, den Scherbenhaufen der jahrelangen Fehlplanungen aufzuräumen und nach vorne zu schauen: Die Planungen für den Ausbau des Wankdorf-Anschlusses (BUGAW) müssen umgehend sistiert werden. Dieser ist nun definitiv ein völlig isoliertes Projekt, das der Region Bern keinerlei Nutzen, aber massive Belastungen bringen würde. Politisch wird dieses Vorhaben deshalb nicht mehr haltbar sein. In einem partizipativen Prozess muss nun erarbeitet werden, wie die Bevölkerung im Osten Berns rasch und wirksam von den Emissionen der A6, die mitten durch ihre Quartiere führt, entlastet werden kann.
Bedauerlich präsentiert sich die Situation beim Abschnitt Schönbühl-Kirchberg. Bundesrat Rösti hat heute die Katze aus dem Sack gelassen und öffentlich zugegeben, dass auf dem Abschnitt eine Pannenstreifenumnutzung (PUN) geprüft wird. Auf diesem Abschnitt entspricht das einer Verbreiterung von 4 auf 6 Spuren und würde damit grosse Kapazitätserweiterung darstellen. Äusserungen am “Berner Verkehrstag” im August 2025 deuteten bereits darauf hin, dass entsprechende Planungen seit Monaten laufen. Nachfragen von unserer Seite blieben jedoch bis heute unbeantwortet. Dass der Entscheid nun als Folge einer langwierigen und sorgfältigen Abwägung präsentiert wird, ist stossend und ein weiteres Beispiel für die fragwürdige Öffentlichkeitsarbeit des Bundesamts für Strassen und des UVEK. Aus Sicht des Vereins Spurwechsels ist klar: Jegliche Kapazitätserweiterung bei diesem Abschnitt, dessen Ausbau 2024 von der Stimmbevölkerung klar abgelehnt wurde, ist eine Missachtung des Volkswillens und wird nicht akzeptiert. Der Verein Spurwechsel wird sich mit seinen Partnern entschieden gegen entsprechende Pläne zur Wehr setzen.
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