Überfällige Bestattung für das Verkehrsmonster Wankdorf 

Mitglieder unseres Vereins haben am 23. Juni mit einer Aktion darauf aufmerksam gemacht, was der geplante Autobahnausbau im Wankdorf in Tat und Wahrheit ist: Ein untotes Verkehrsmonster, das trotz aller Vernunft von bestimmten Kreisen künstlich am Leben erhalten wird. 

Fast genau zwei Jahre ist es her, dass der Verein Spurwechsel dem Kanton und der Regionalkonferenz eine Petition mit dem Namen “Verkehrsmonster Wankdorf stoppen! Kein Mehrverkehr durch Nationalstrassenprojekte” überreicht hat. Seither ist viel passiert: Im November 2024 hat das Stimmvolk den Ausbau der A1 klar abgelehnt, auf den das Projekt ausgerichtet war – im Kanton Bern deutlich mit 57% und in Bern-Mittelland überdeutlich mit 62% der Stimmen. Mit “Verkehr ‘45” wurde schliesslich bestätigt, dass der Bundesrat für Jahrzehnte auf einen Ausbau dieser Abschnitte verzichten will – und zudem das anschliessende Projekt auf der A6, den Bypass Bern Ost, grundsätzlich in Frage stellt. 

Damit ist die geplante Umgestaltung des Wankdorf-Anschlusses (Projekt BUGAW) endgültig ein isoliertes, völlig überdimensioniertes Projekt, dem jede fachliche Legitimation fehlt. Trotzdem wird es von den Behörden bei Bund, Kanton und Region verzweifelt am Leben erhalten. Sie tun so, als hätten sich die Rahmenbedingungen nicht im geringsten verändert, wie jüngst auch eine sehr fragwürdige Stellungnahme des Regierungsrates zu einer Interpellation gezeigt hat (offenbar noch unter alt Verkehrsdirektor Christoph Neuhaus verfasst). Nur der Gemeinderat der Stadt Bern hat mittlerweile erkannt, dass das Projekt in dieser Form nicht mehr sinnvoll ist. 

Eine Delegation des Vereins Spurwechsel und weitere Bewegte haben heute dem untoten Verkehrsmonster Wankdorf die (hoffentlich) letzte Ehre erwiesen. Bei einem Umzug wurde das arme Zombie-Wesen durch die Berner Altstadt geleitet und schliesslich vor dem Rathaus zur Ruhe gebettet. Alt Stadtrat, Spurwechsel-Vorstandsmitglied und “Trauerredner” Beat Zobrist formulierte es treffend: “Das Verkehrsmonster Autobahnzubringer Wankdorf muss nach dem Volks-Nein zu Spurenerweiterungen endgültig begraben werden und darf jetzt seine Ruhe finden. Wir wollen es davon erlösen, weiterhin als untotes Wesen herumzugeistern.”

Die Zeremonie startete beim Bundeshaus…
…führte auf Umwegen zum Rathaus…
…wo Beat Zobrist auf dem Kanzleibrunnen die Abdankungsrede hielt…
…und das Verkehrsmonster schliesslich symbolisch zur letzten Ruhe bettete. (Fotos: Raphael Wyss)