Das ASTRA prüft auf verschiedenen Abschnitten der A1 Kapazitätsausbauten mittels Pannenstreifenumnutzung (PUN). Vor der Öffentlichkeit wurde dies lange geheim gehalten. Wir haben die Pläne medial zum Thema gemacht und verlangen vom Bundesrat Auskunft.
Am Anfang stand eine beiläufige Aussage von Bundesrat Rösti höchstpersönlich: Am “Berner Verkehrstag” vom August 2025 erzählte er der versammelten Transportbranche freimütig von seinen Plänen, auf dem A1-Abschnitt Schönbühl-Kirchberg eine Pannenstreifenumnutzung (PUN) einzuführen und so die Kapazität des Abschnitts nach Bedarf zu erhöhen. Von solchen Plänen war offiziell jedoch nichts bekannt. Der Ausbau des Abschnitts wurde in der Volksabstimmung zum Autobahnausbau vom November 2024 verworfen.
Die Aussagen machten uns deshalb hellhörig. Wir forderten Auskunft vom ASTRA: Zuerst bei der zuständigen Filiale, die die Anfrage an die nationale Kommunikationsstelle weiterleitete. Als wir von dieser nichts erfuhren, versuchten wir es mit Anfragen im kantonalen und nationalen Parlament. Das ASTRA und das UVEK gaben sich sehr zugeknöpft. Die Auskünfte mussten ihnen mit Verweis auf das Öffentlichkeitsgesetz aus der Nase gezogen werden. Nun ist klar: Das ASTRA prüft seit Monaten die Option von Pannenstreifenumnutzungen auf mehreren A1-Abschnitten, deren Ausbau vom Volk abgelehnt worden war. Neben dem Abschnitt Schönbühl-Kirchberg betrifft dies auch den rund 18 Kilometer langen Abschnitt am Genfersee zwischen Le Vengeron und Nyon.

Pannenstreifenumnutzungen können, je nach Ausgestaltung, die Kapazität von Autobahnabschnitten deutlich erhöhen. Es stellt sich zudem die Frage nach der Sicherheit, wenn auf längeren Abschnitten kein Pannenstreifen zur Verfügung steht. Wir befürchten, dass Bundesrat Rösti und das ASTRA die PUN als Möglichkeit sehen, die Kapazität der Autobahnen an Volk und Parlament vorbei zu erhöhen. PUN kann der Bundesrat nämlich in Eigenregie beschliessen, ein Referendum dagegen ist nicht möglich. Es bestehen jedoch rechtliche Unsicherheiten, da PUN grundsätzlich als Massnahmen zur Erhöhung der Sicherheit und nicht der Kapazität vorgesehen sind.
Der Verein Spurwechsel hat deshalb in Zusammenarbeit mit Parlamentarierinnen der Grünen Auskunft zu den Plänen und den rechtlichen Grundlagen verlangt. In zwei Interpellationen (26.3671, 26.3735) haben wir dem Bundesrat zahlreiche Fragen zu seinem Vorhaben gestellt und die Medien auf die Thematik aufmerksam gemacht.
Wir bleiben dran und werden unter anderem im Rahmen der laufenden Vernehmlassung zum Infrastrukturpaket “Verkehr ‘45” zu den undurchsichtigen PUN-Plänen Stellung nehmen.
Medienspiegel:
https://www.aargauerzeitung.ch/schweiz/autobahn-a1-ausbauen-jetzt-via-pannenstreifen-ld.4188688
